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Buenos Aires die 2.
Der gestrige Tag begann beschissen : mit einer vollen Ladung dünnflüssigen, sauer stinkenden Vogelkots wurden Claudia und ich eingeseift, als wir nach einem kleinen Spielplatzbesuch unter Bäumen eine Straße entlang gingen. Alles war verseucht: T-Shirt, Hemd, Hosen und der Rucksack. Nur Simon blieb verschont. Zwei Argentinier kamen gleich mit Zellstofftaschentüchern angestürzt. Zum Glück waren wir noch nicht weit vom Quartier entfernt, und die Waschmaschine hatte gleich wieder zu tun.
Überhaupt muss ich mein Urteil über Buenos Aires etwas revidieren. Zumindest unser Stadtteil San Telmo ist ungeheuer dreckig. Der Müll wird in mehr oder weniger stabilen Beuteln auf die Straße gestellt. Dort wird er von Müllsortierern, Tauben und natürlich auch Ratten durchwühlt. Vor einigen Häusern stehen für die Müllsäcke Metallkörbe auf kleinen Gestellen, die die Ratten aber nicht wirklich beeindrucken. Einem Müllauto bin ich noch nicht begegnet. Die zahlreichen Straßenfeger und die sorgsam den Hundekot aufsammelnden Damen aus Rio vermisse ich. Und vor meinen Augen ließen Jugendliche Papiertüten einfach so auf die Straße fallen. Die haben den Respekt vor der eigenen Stadt schon verloren.
Dennoch fällt auf, dass der Wachmänner- und Pförtnerwahn, den wir in Rio sahen, hier noch nicht Einzug gehalten hat. Vielleicht weil es nichts zu klauen gibt.
Die Häuser glänzen entweder in Stuck und Marmor, oder sie verfallen gnadenlos. Oft sieht man hinter verschnörkelten Haustüren die Pracht vergangener Jahrhunderte. Jeder deutsche Denkmalpfleger würde die Hände zusammenschlagen ob dieses Umgangs mit Jugendstil und Neoklassizismus.
Heute früh war ich gegen 06.30 h auf dem in der Nähe befindlichen Bahnhof. Interessant: ohne Ticket darf man die Bahnsteige nicht betreten. Wie in Deutschland vor 60 Jahren ist die pompöse Bahnhofshalle mit Gittern von den Bahnsteigen getrennt.
Gestern haben wir am Nachmittag einen Spaziergang nach La Boca gemacht, dem alten Hafenviertel mit grell-bunt angestrichenen Häusern. Doch auch hier mehr Verfall als Glanz. Der Reiseführer zeigte nur eine angehübschte Ecke.
Karl, der Taxifahrer hat erzählt, dass im Zuge der Währungs- und Wirtschaftskrise im Jahre 2001 fast die komplette Mittelschicht verarmt ist. 70 % der Bevölkerung gelten nun als arm, während es zuvor nur ca. 30 % waren. Es kann nur aufwärts gehen, aber es geht – der Mentalität der Leute geschuldet – sehr langsam aufwärts.
Claudia wollte nicht Tango tanzen, obwohl die ganze Touri-Meile von Bandoneonklängen erfüllt war, und Simon uns filmen wollte. Das gibt Rache….
Nach einer kurzen Taxifahrt – kostet hier etwas weniger als in Berlin die U-Bahn – haben wir die ehemaligen Docks besichtigt. Die wurden zu einer Nobelmeile mit schicken Wohnungen und Restaurants umgebaut. Der Höhepunkt des Tages war jedoch die Besichtigung eines Segel-Dampfschiffes aus dem Jahre 1897 mit leichter Bewaffnung, das der argentinischen Marine bis in die 60iger Jahre zu Ausbildungszwecken diente. Simon war begeistert.
Am Abend Spielen in der „Hotelhalle“ mit David aus Australien. Paul, Simons Plüschhund, hat mit einem Plüschkänguru ebenfalls Freundschaft geschlossen.
Jetzt regnet es draußen. Wir wollen heute der Hitze in das Kunstmuseum entfliehen, was auch als Tipp für Besuche mit Kindern gilt.
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