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Auf der Bavaro Beach Lodge
Hubert ist eigentlich Landwirt. Die Idee mit der Lodge hatte er, weil immer mehr Freunde aus Bayern zu Besuch kamen, der Tourismus hier boomt und ein Grundstück am See zu haben war. Wir haben hier allen Komfort, nur das Internet ist etwas langsam, denn es besteht nur eine Funkverbindung für Telefon, Fax und PC. Mein USB-Stick wird von dem Rechner leider nicht erkannt.
Nach einem kleinen Gammeltag (wir besichtigten lediglich den Dorfkonsum und einen Wasserfall, der seinen Namen wirklich verdient hat und aus ca. 20 m Höhe in einen Felsentopf donnert), haben wir am Mittwoch (31.01.07) eine Expedition der anderen Art gemacht. Wir sind mit Bussen nach Frutillar gefahren, einem Dorf, dass von deutschen Auswanderern gegründet wurde.
Es gab zunächst unterschiedliche Auskünfte, wo und wann Busse fahren. Uhrzeiten und Pünktlichkeit scheinen hier nicht so wichtig zu sein. Wir sollten an der Polizeistation einsteigen, aber dort war keine Haltestelle zu finden, die sahen wir aber in ca. 800 m Entfernung.
Um 11.00 Uhr (und nicht, wie angekündigt um 10.30 h) bretterte ein so genannter Midi-Bus heran. Der hielt dann an nahezu jedem an der Strecke liegenden Bauerhof, je nachdem, ob dort jemand stand auffällig winkte, oder im Bus jemand aussteigen wollte. Bezahlt (Preise wie damals im Osten) wird übrigens erst beim Aussteigen.
Auf Empfehlung des Fahrers stiegen wir an einer Straßengabelung aus, umgeben von Wiesen, die den Heuschnupfenstress schlagartig anwachsen ließen. Claudia hatte zum Glück vor einigen Tagen ein erstaunlich gut wirkendes Antiallergikum in einer chilenischen Apotheke erworben.
Nach einiger Wartezeit (Fahrpläne hängen in den Haltestellen nie) nahm uns ein weiterer Bus nach Puerto Octay mit. Dort hatten wir 1,5 h Aufenthalt und konnten das ebenfalls von deutschen Auswanderern geprägte Dorf ansehen. Wir kauften für Simon einen neuen Ball im Dorfkonsum „El Berlin“ (den mitgebrachten hatten die Hunde auf der Lodge beim Spielen zerbissen), zuletzt entdeckten wir auch noch eine kleine Chocolateria.
Was ist eigentlich eine Chocolateria? Es ist eine Schokoladenmanufaktur, in der nette Frauen in Handarbeit (man darf zusehen) wunderschöne Pralinen herstellen, in der es gut riecht, alles schön dekoriert ist und von denen es in Deutschland ruhig auch mal ein paar tausend Stück geben sollte!
Dann ging es mit dem Bus weiter nach Frutillar, unserem eigentlichen Reiseziel. Auch ein deutsch geprägtes Dörfchen am Ufer des Sees, mit schwarzem Lava-Strand und Blick auf den Vulkan Osorno. Die Häuser tragen Giebel und sind mit Holzschindeln verkleidet und gedeckt, könnten so durchaus auch im Thüringer Wald stehen oder – die etwas verfalleneren – in Brandenburg. Überall wird mit der deutschen Vergangenheit kokettiert. Es gibt ein Hotel „Frau Holle“, das Restaurant , in dem wir aßen, hieß „Guten Appetit“. Wer aber glaubt, es würde heute noch irgendwo deutsch gesprochen oder es gäbe lauter Blondinen, der irrt. Alles nur Fassade.
Frutillar ist ein fast schon elegant wirkender Badeort. Es gibt eine Strandpromenade, auf der auch mal ein vornehm gekleideter Mensch flaniert, und es gibt ein Konzerthaus auf einer Pier, gebaut durch eine Privatinitiative und erst zu einem Drittel vollendet, doch bereits in Betrieb und teilweise als Show-Room für Mercedes genutzt.
Auf der Rückfahrt erreichten wir mit einem Schnellbus zunächst den Busbahnhof der Kreisstadt Osorno. Da es zahllose Busbetriebsgesellschaften gibt, hat dort jede ihren eigenen Schalter, es gibt keine zuverlässigen zentralen Auskünfte, Fahrpläne nur an den jeweiligen Schaltern der Gesellschaften und immer wieder Lautsprecherdurchsagen. Alles quirlt mit Kisten und Kindern durcheinander, man kann auch Expressgut, z.B. Teppiche, mit dem Bus versenden lassen.
Kurz vor der Abfahrt unseres überfüllten Busses sprang noch eine Eisverkäufer an Bord, der sich singend und seine Ware anpreisend durch den engen Gang drängelte und – während der Bus schon fuhr - kurz vor Verlassen des Terminalgeländes wieder heraussprang. Vor dem Stadtrand machte der Bus noch mal einen längeren Halt an einer Station: eine mitfahrende Dame musste noch beim Bäcker einkaufen. Alles läuft relaxt und das vermeintliche Durcheinander ist ein gut eingespieltes System von großer Flexibilität. Never change a runnig system möchte man den Chilenen zurufen – nur, was passiert mit dem ganzen Busgeflecht, wenn der Ölpreis weiter steigt? Die Eisenbahn hat den Kampf auch in Chile längst verloren, auch wenn vor kurzem einige der verbliebenen Strecken modernisiert wurden. In Argentinien sieht das nicht anders aus, Bariloche hat einen Bahnhof, aber der Zug fährt nur zwei mal in der Woche.
gluecklicher Eisverkaufer
Wir kamen in Las Cascadas an und liefen die letzten Meter zum Quartier. Kurz vor dem Ortsausgang holte uns der Bus jedoch wieder ein und hielt … an der Polizeistation. Die Beamten scheinen Nebenverdienste nötig zu haben. Auf der Wiese springen Hühner herum, der Polizeichef selber verleiht sein Privatauto.
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