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Noch ist Polen nicht verloren …. denn wir verbringen dort unseren Sommerurlaub
Wir wollen das nördliche Polen entdecken. Damit die Überraschung nicht ganz so heftig ausfällt, haben wir für eine Woche ein Ferienhäuschen an der Ostseeküste gebucht. Dzwirzyno liegt westlich von Kolberg an der Ostseeküste.
So sehen die Postkarten aus, die es von diesem Ort gibt.
Und der Strand ist auch wirklich das, was von ihm versprochen wird. Supersauber, nette Wellen, klares Wasser, keine Quallen.
An jedem Haus, jedem Gartenzaun, sogar an geparkten Autos Werbung für „Wolne Pokoje“ (freie Zimmer). Auf diese verheißungsvollen Offerten vertrauend, haben wir uns heute weiter nach Osten durch die Alleen geschaukelt, ab und zu mal in Urlauberstaus versinkend.
Was sonst noch so passierte: wir waren vor einigen Tagen nachts um drei mal kurz im Krankenhaus, weil Claudia die heftigen Schmerzen, die sich plötzlich im linken Oberarm und im Brustkorb einstellten nach meiner amateurhaften Diagnose („… könnte vom vielen Lesen kommen, oder Vorboten eines Herzinfarktes nach abruptem Stressabriss sein …“) nicht unbehandelt lassen wollte. Auch mir war recht mulmig zumute. Aber alles blinder Alarm und eine hämisch grinsende Nachtmannschaft. Simon, dem wir einen Zettel geschrieben hatten, hat die ganze Aufregung in seinem tiefen Schlaf nicht mitbekommen. Als wir wieder da waren, das war so gegen 06.00 h, schlief er noch immer.
Simon hat allen seinen Mut zusammengenommen und ist mit Papa eine nicht sehr vertrauenserweckende Achterbahn gefahren. Die „Wilde Maus“ hätte in Deutschland den TÜV wahrscheinlich nicht mal mehr aus 100 m Entfernung passiert, wie mir hinterher so durch den Kopf ging. Simon ist ein paar Runden zweifelnd und mit sich ringend um das Teil herumgeschlichen. Aber die Mutprobe wurde gut belohnt: mit einem Lenkdrachen.
Den haben wir in Kolberg gekauft. Kolberg ist deprimierend. Außer der alten Stadtkirche, die, nachdem sie im Krieg offenbar ein beliebtes Ziel der Artillerie gewesen ist, mühsam wieder aufgebaut wurde, steht fast keine Altbausubstanz mehr. Das eigentlich deprimierende ist jedoch das Bewusstsein, dass wir das unseren Vorfahren zu verdanken haben, von denen einige das zerstörte Kolberg am liebsten immer noch als das ihrige betrachten wollen.
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