Fazit

 Reisen mit einem Kind im Vorschulalter – was sind unsere Erfahrungen und Empfehlungen? Hier wollen wir noch einmal kurz zusammenfassen, wie wir die Dinge nach unserer Reise sehen, welche Bedenken und Vorurteile man getrost ignorieren kann und was wir anders machen würden.
 

Fazit Nr. 1 – ES GEHT! Macht es, wenn es Job und Mittel erlauben. Kind(er) kein Hindernis!
 

Aber nun im Einzelnen.
 

1. Die größten Bedenken hatten wir dahingehend, dass Simon die ganze Sache „nervlich“ nicht durchhält, dass er eines Tages nur noch heult, quengelt, bockt, dass er einfach nicht mehr weiter will. Tatsächlich hat er bei den ersten Quartierwechseln mit Unverständnis reagiert. „Warum wollt Ihr denn weiterfahren? Das Hotel ist doch schön. Wieso müssen wir denn jetzt mit dem Flugzeug fliegen? Wir können doch ein Taxi nehmen.“ Oft kam es auch vor, dass es Simon völlig egal war, wo wir übernachten. Hauptsache anhalten, aussteigen, spielen. Zugleich war aber auch bei ihm die Neugier auf Neues zu spüren, auch die Spannung, wie es im neuen Quartier wohl sein wird. Wir hatten die Vorstellung, dass es wichtig sein würde, für unseren Sohn so etwas wie Fixpunkte zu schaffen. Längere Aufenthalte an einem bestimmten Ort, die Schiffsreise, das Reisen mit einem Camper/Wohnmobil. Unsere Erfahrung jetzt: die Orte sind nicht das Entscheidende. Wichtiger sind bestimmte Rituale. Das Kuscheln im Bett, Papierflieger bauen, das abendliche Vorlesen, Witze und Geschichten erzählen während einer Wanderung. Und doch war die letzte Station Kalifornien die entspannendste. Wir hatten ein Haus mit Garten zur freien Verfügung, das bedeutete: viel Platz, jeder konnte falls gewollt dem anderen ausweichen, jeder konnte sein eigenes Ding machen. Nicht wie im Hotel, wo immer gemeinsam entschieden werden musste: Was machen wir jetzt. Deshalb: bei einer längeren Reise mit Kindern in der Mitte eine längere Station einbauen, möglichst in einer Ferienwohnung oder noch besser einem Ferienhaus.
 

 

2. Was hat Simon am meisten vermisst? Die Freunde aus dem Kindergarten.
 

Dabei spielte nicht nur die Sehnsucht nach den Freunden an sich eine Rolle. Ein Problem für ihn war auch, dass er ständig am unteren Ende der „Gruppenhierarchie“ agieren musste. Simon hatte während der Reise keinen Partner, mit dem er sich auf Augenhöhe reiben und messen konnte. Vielleicht würde uns das auch so gehen, wenn wir allein mit einem eingespielten betagten Ehepaar verreisen müssten und uns dabei immer anzupassen hätten.

Wir haben oft versucht, zu gleichaltrigen Kindern Kontakt aufzunehmen. Wenn uns das gelang, z.B. mit Hilfe unseres kleinen Balles oder mit der Neugier auf Simons Digitalkamera, dann hatte Simon immer gute Laune. Aber solche Gelegenheiten waren selten. Das ging während einer Busfahrt, abends im Park, manchmal in den Hotels. Aber Kontakte „zur Bevölkerung“ waren schon für uns als Durchreisende nicht immer einfach herzustellen. Die Chance, mit vier- bis fünfjährigen Jungs ins Gespräch zu kommen, ist noch geringer. Wer also das Glück hat, dem mitreisenden Kind ein Geschwisterchen zur Seite zu stellen, ist deutlich besser dran. Eine Alternative wäre auch das Reisen mit einem sehr gut befreundeten Elternpaar und dessen Kind. Trotz allem, dieses Problem hat uns nicht aus der Bahn geworfen. Im Gegenteil: noch nie haben wir uns – abgesehen von der Stillzeit – so lange und intensiv mit unserem Sohn beschäftigt. Sein Wortschatz hat extrem zugenommen, sein geistiger Horizont sicherlich auch,  vor allem aber die Belastbarkeit hinsichtlich Geduld und Aufnahmefähigkeit. Er hat einige Worte Spanisch gelernt und nach zahllosen Begegnungen mit streunenden Hunden in Chiles Städten ist sein Umgang mit Tieren viel unbefangener geworden.
 

  1. Interessenkonflikte. Was sehen wir heute an?

 

Ob die Stadt schön ist oder nicht, wie hoch der zu erklimmende Berg ist, welche Pflanze da gerade wächst …. das sind aus Simons Sicht wahrscheinlich alles nette Nebensächlichkeiten. Viel wichtiger ist die Frage, ob im Hotel der Fernseher funktioniert (die Attraktion schlechthin, denn zu Hause haben wir keinen Fernseher), ob es einen Swimmingpool gibt, wann er das nächste Mal am Laptop ein Computerspiel machen darf.

Wir denken, dieses Problem ganz gut gelöst zu haben. Immer waren wir auf der Suche nach Dingen, die unseren Sohn faszinieren könnten. Das waren nicht nur Entdeckungen in der Natur, das waren auch manchmal kleine Mutproben. Wir haben uns aber auch mit einigen Tricks weitergeholfen: Ab und zu gab es einen „Simontag“, dann durfte Simon bestimmen, was gemacht wird. Das konnte der Besuch eines Vergnügungsparks sein, ein Gammeltag am Pool, das Bestimmen der Wanderroute.
 

Überhaupt: Wanderungen funktionierten immer sehr gut, wenn wir gerufen haben „Wir brauchen einen Bergführer!“ und Simon dann diese Rolle übernahm, nach Wegmarkierungen suchte, vor größeren Steinen warnte, Trittstufen ausprobierte oder uns um Baumstämme herumlotste.

Wie kann man mit einem Kind einen Stadtbummel machen? Ganz einfach, indem man keinen einzigen Spielzeugladen auslässt. Natürlich muss die Regel klar sein: alles wird angeguckt, aber es wird nur in Ausnahmefällen etwas gekauft. Sehr gut sind auch Buchläden zum Pausieren und Schmökern. Auch Museen sollte man nicht unterschätzen. Ist man erst mal drin, finden sich IMMER Sachen, die auch für ein Kind interessant sind. Aber das viel Wichtigere: in einem Museum kann Simon einfach mal so herumlaufen, ohne dass wir ständig Angst haben müssen, dass er uns verloren geht.
 

  1. Gesundheitliche Risiken

 

Natürlich haben wir rechtzeitig vor Reiseantritt alle wichtigen Impfungen machen lassen. Auch hatten wir eine vergleichsweise üppige Reiseapotheke dabei, darunter auch spezielle, für Kleinkinder geeignete Medikamente. Aber ansonsten haben wir uns nicht in Panik versetzen lassen. Vernünftige Ernährung, Sonnenschutz, Hygiene, Ruhepausen, viel Schlaf, keine Hektik. Das waren vielleicht die wichtigeren Faktoren für den Umstand, dass Simon die ganze Sache zum Teil besser verkraftet hat als seine Eltern. Eine leichte Erkältung, keine Seekrankheit, keine Höhenkrankheit, keinen Sonnenbrand, keine Durchfälle, lediglich ein einziges Mal nächtliches Fieber. Das war vor dem ersten Stationswechsel per Flugzeug und Simon war damals noch recht aufgeregt wegen der Grenzkontrollen. Wadenwickel haben gereicht, auch Grenzkontrollen heben ihn inzwischen nicht mehr an.
 

  1. Welches Spielzeug sollte mit?

 

Da gibt es zunächst mal klare Limits wegen Platz und Gewicht, wenn man mit Rucksack reist. Simon hatte einen eigenen Rucksack, der für Spielzeug reserviert war. Eine gute Entscheidung war die Mitnahme eines Laptops. Den brauchten wir sowieso zum Schreiben der Reiseberichte, des Internet-Blogs, zum Speichern von Fotos und Audiodateien. Für Simon hatten wir „Fritz und Fertig“, das Schachlernspiel für Kinder installiert. Inzwischen hat er das Spiel durch alle Levels mehrmals hoch und runter gespielt. Es erlaubt auch den Eltern ab und zu mal Freiräume zum Lesen.
 

Was war sonst noch dabei: natürlich Paul, das große Kuscheltier, das auch oft Kopfkissenersatz war und ab und zu auch der spielerischen Kontaktaufnahme diente. Täglich im Gebrauch: die Märchen der Brüder Grimm als Reclam-Band, also auch die etwas ausgefalleneren. Mit dabei waren Malzeug, ein Beutel mit Legoteilen, ein kleiner Ball, die Schwimmflügel. Unterwegs gekauft haben wir eine kleine Wasserpistole, einen Steckbaukasten aus Argentinien, ein kleines Ausmalbuch, eine Okarina, einen inzwischen wieder verschwundenen „Flummi“. Nur selten zum Einsatz kam eine Schulfibel, mit der wir Simon eigentlich das Lesen lehren wollten. Dazu fehlten einfach Geduld und Energie und es muss ja auch noch einen Grund geben, sich auf die Schule zu freuen. Viel gespielt hat Simon auch mit Papierflugzeugen. Wir haben unterwegs aus Stöckchen ein Floß und eine Wassermühle gebaut. Fast an jedem zweiten Tag wurde abends mit dem kleine Ball gekickt oder Fangen geübt.
 

 

Simon hat währen der Reise ca. 2.000 Fotos gemacht. Einen Teil davon haben wir wenige Wochen nach unserer Heinkehr im Kindergarten gezeigt. Er konnte sich noch an alles erinnern und ein klein wenig Stolz schwang auch mit, wenn ihm spontan aufregende Dingen einfielen, die unterwegs passiert waren. Und eine neue Lieblingsstadt hat er auch: San Francisco.